Schnell, Schnell
Der Wecker klingelt, schon so spät
Auf Snooze und einmal umgedreht
Brauche noch mindestens zehn Minuten
„Mama, ich hab‘ Nasenbluten“
Schnell aus den Federn, Waschlappen nass
Legs dem schniefenden Kind auf den Hals
Das andere sitzt an den Hausaufgaben
„Hab vergessen, dass wir die haben“
Schnell den Tisch gedeckt und Brote geschmiert
Der Hund nach einem Stück Käse giert
Hat schon alles vollgesabbert
Und meine Beine abgeschlabbert
Noch Obst und Snickers in die Dose
Derweil kaut der Hund an meiner Hose
Der Mann braucht ein gebügeltes Hemd
Und kommt nicht dran, weil die Schranktür klemmt
„Das müssen wir endlich mal reparieren
Oder vielleicht die Scharniere schmieren“
Ich zucke die Schultern, mit WIR meint er mich
Kommt auf die Liste, Punkt einundsiebzig
Die Haustür knallt, dann sind alle weg
Der ganze Flur ist voller Dreck
Schnell den Sauger raus und weg damit
Was klebt denn da? – Igitt!
Hab ich eigentlich meine Tabletten genommen?
Und warum seh ich so verschwommen
Der Hund vorwurfsvoll auf den Futternapf starrt
Und fiepend auf sein Fressen beharrt
Schnell den Hund gefüttert, dann ins Bad
Ach, da wartet doch noch ein Telefonat
Also wieder raus und das Handy geholt
Was riecht denn hier so stark verkohlt?
Hatte Aufbackbrötchen – ganz vergessen
Die Briketts kann jetzt auch keiner mehr essen
Schnell das Zeug in den Müll gepackt
Und nach draußen gebracht, gar kein Akt
Ich dreh mich um, da knallt die Tür
Drinnen wedelts schwarze Tier
Hat sie mit der Schnauze zugedrückt
Das darf doch nicht sein, ich werd verrückt
Die Nachbarn fahren grüßend vorbei
Ich winke, dann dreh ich mich weg und schrei
Zum Glück haben wir einen Wintergarten
Jetzt bleibt mir nichts anderes als zu warten
Und so wird nach einem hektischen Start
Das heute wohl ein Ruhetag
Durch den Nebel (Lyrische Version)
Nebel wie ein nasses Tuch
legt sich kalt und schwer auf meine Haut
Im Dunst ich nach Konturen such
Doch Grau und Weiß wohin ich schau
Ich kann kaum atmen, ring nach Luft
Ein Eisenring um meine Brust
Mein Herz so eng wie eine Gruft
Nur Platz für Schmerzen und Verlust
Gestern, heute, morgen
in Dunkelheit verborgen
Ich weiß, dass die Sonne scheint
Hinter dem Schleier ist Wärme und Licht
Doch meine Seele verneint
Und sieht die Straße noch nicht
Ich muss erst den Schatten durchdringen
Und die Leere die mich erfüllt
Lass mich von Tränen und Trauer verschlingen
Bis die Wut immer leiser brüllt
Tastend gehe ich vorwärts
Wohin meine Schritte mich führen
Die Zeit wird heilen den Schmerz
Und Wärme mich wieder berühren
Es wird hell und klärt meine Sicht
Licht umfängt mich, streichelt die Seele
Nimmt meinem Verlust das Gewicht
ich erinnere, ich sehe, ich lebe.
Du wirst immer ein Teil von mir bleiben
Doch mein Weg ist nun ohne dich
Wird mich ans Ende treiben
Warte dort auf mich
Am 10. Juni ist Welttag des Kugelschreibers:
Ode an den Kugelschreiber
Edle Hülse aus Metall
Hab dich immer in der Tasche
Ist ja besser – für den Fall
Formulare, Dokumente,
Aufsatz, Essay, Unterschrift
Immer gibt es was zu schreiben
Und da braucht man einen Stift
Zuverlässig schon seit Jahren
Tust du klaglos deine Pflicht
Ewig haltbar deine Mine
Und auch klecksen tust du nicht
Hab schon viele andrer Sorte
Immer wieder ausprobiert
Doch am Ende ganz eindeutig
Am besten man mit dir notiert.
Mein Warum
Früher
War ich wild
Zu wild
Also wurde ich ruhiger
War ich laut
Zu laut
Also wurde ich leiser
War ich groß
Zu groß
Also macht‘ ich mich kleiner
War ich gut
Zu gut
Also macht‘ ich mich schlechter
War ich viel
Zu viel
Also wurde ich weniger
Mangel kommt von mancare
Verstümmeln, zum Krüppel machen
Heute
Zu ruhig, zu leise, zu klein, zu schlecht, zu wenig
Mangelhaft
Will doch nur gesehen werden, die Maske runternehmen, wieder wild, laut, groß, gut, viel sein
Ganz
Sehr gut

Feuer
Dieses Leuchten in mir, dieses Feuer
Möchte frei sein
Doch seine Kraft würde blenden,
Versengen, Vertreiben
Keine wärmende Glut
Sondern alles verzehrende Flammen
Aus Angst vorm Alleinsein
Sperre ich es ein
Decke es ab
Lasse es verhungern
Bis nur noch schwelende Asche übrig bleibt
Und statt nach außen zu strahlen
Mein Innen verbrennt
Bis die Leere
Das letzte Licht in mir verschluckt
Kirmestag
Bunte Lichter, Stimmengewirr, Gedrängel, Gerüche. Paradiesapfel, gebrannte Mandeln, Hydrauliköl, Schweiß, Parfum, Pomade. Riesige Einhörner an Schießbuden, Lebkuchenherzen mit vergänglichen Versprechen, fantastische Aussicht vom Riesenrad, es blinkt und blitzt an allen Ecken.
weiterlesen
Autoscooter kreiseln, rammen, driften. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, rein. Ein Stock, ein Hut, ein Labyrinth.
Gruselhaus mit Schreckmomenten, Schiffschaukel mit Magen unterm Kinn, Spiegelkabinett mit verzerrter Selbstwahrnehmung. Lachen, Schaudern, Übelkeit, von vorne.
Essen, Trinken, hier gibt es noch etwas, da war ich noch nicht, ich möchte noch …
„Und noch eine Runde rückwärts … wärts … wärts.“
Willkommen in meinem Kopf.
Mein Leuchten
Möchte mein Leuchten
nicht verstecken
Möchte strahlen
bis zum Himmel hinauf
Könnte ich nur hinauslassen
was in mir ist
es würde laut auf der Welt
und ein bisschen leiser
in mir
Von fremden Mächten wunderbar geborgen
So behütet in euren starken Armen
Fest und warm an eurer Brust
Freundschaftlich beschützend umhüllt
Ach, könnte es doch immer so sein
Ihr wollt nur geben
Güte, Nähe, Wärme, Zuversicht
Haltet die Welt von mir fern
So kann ich Ich sein
Ohne haben wollen geben müssen
In Sicherheit vor viel laut
Geborgen im beruhigenden Atem der Nacht
Mit wohligem Seufzen einschlafen
Durch den Nebel
(für Ralf)
Nebel umhüllt mich, legt sich nasskalt auf meine Haut, nimmt mir die Sicht.
Ich kann kaum atmen, feuchte Trauer umklammert meine Brust.
Gestern, heute, morgen – alles wird konturlos im weißen Dunst. Da ist nur noch Schmerz.
Ich weiß, dass die Sonne scheint. Dass es Licht gibt und Wärme hinter dem Schleier.
Ich muss den Schatten durchwandeln, die Leere ertragen, den Schmerz in mich aufnehmen.
Ungeweinte Tränen brennen hinter meinen Augen, ich bin blind. Tastend bewege ich mich vorwärts, nicht wissend, was kommt. Doch ich muss diesen Weg gehen, es ist richtig. Deswegen gehe ich immer weiter.
Licht umfängt mich, schmeichelt meiner Haut, klärt meine Sicht.
Wärme umhüllt den Schmerz, nimmt ihm die Schwere, macht ihn zu einem Teil von mir.
Gestern, heute, morgen – ich erinnere, ich sehe, ich lebe.